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Kunst und Kultur

Stuttgarter Nachrichten / Stuttgarter Nachrichten: Urteil im Brunner-Prozess

Stuttgarter Nachrichten: Urteil im Brunner-Prozess


Stuttgart (ots) - War es wirklich Mord oder vielleicht doch nur
Totschlag oder Körperverletzung mit Todesfolge? Diese Diskussion ist
akademisch. Haupttäter Markus S. wurde zu knapp zehn Jahren
Jugendgefängnis verurteilt. (..) Das ist gewiss nicht zu viel für
einen, der keine Reue zeigt und schon laut über die Vermarktung
seiner Tat nachdenkt. Markus S. kann mit Mitte zwanzig ein neues
Leben beginnen. Hoffen wir, dass er nicht sein altes fortführt.

Originaltext: Stuttgarter Nachrichten
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Stuttgarter Nachrichten
Chef vom Dienst
Joachim Volk
Telefon: 0711 / 7205 - 7110
cvd@stn.zgs.de



6. September 2010, 23:08:32
#137427

Kunst und Kultur

Neue Osnabrücker Zeitung / Neue OZ: Kommentar zu Prozesse / Kriminalität ...

Neue OZ: Kommentar zu Prozesse / Kriminalität / Medien


Osnabrück (ots) - Peinlich

Geschmackloser geht es kaum. Oliver Pochers peinlicher
Kachelmann-Auftritt vor dem Mannheimer Landgericht spiegelt den
Niveauverfall in einem Teil der Medien wider. Ein Komiker hat zwar
Narrenfreiheit, aber müssen Narren und Freiheit fern jeder Moral
sein? Solch ein Zirkus ödet an. Der TV-Wetteransager Kachelmann steht
nicht wegen einer Kleinigkeit vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft
wirft ihm vor, eine Frau brutal vergewaltigt zu haben. Mindeststrafe:
fünf Jahre Gefängnis. Was daran lustig sein soll, bleibt Pochers
Geheimnis. Die makabere Selbstinszenierung dient allein der
Selbstvermarktung. Frei nach der Devise: Je dümmer und blöder, desto
höher Einschaltquote und Salär.

Der Pocher-Auftritt ist somit der vorläufige Höhepunkt der seit
Monaten laufenden medialen Kachelmann-Festspiele. In vielen
TV-Talkshows wird über den Fall palavert. C-Promis, Moderatoren und
Feministinnen spielen mit Betroffenheitsgesichtern fröhlich Gericht.
Zudem versteht es Kachelmanns Verteidigung, die Öffentlichkeit
geschickt zu nutzen, um den Angeklagten als Opfer einer Hexenjagd
darzustellen. Das Gericht muss diesen Rummel bei der Wahrheitsfindung
völlig ausblenden - das wird nicht leicht.

Originaltext: Neue Osnabrücker Zeitung
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Neue Osnabrücker Zeitung
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Telefon: 0541/310 207



6. September 2010, 22:00:12
#137417

Kunst und Kultur

Neue Osnabrücker Zeitung / Neue OZ: Kommentar zu Picasso-Museum

Neue OZ: Kommentar zu Picasso-Museum


Osnabrück (ots) - Qualität in der vermeintlichen Nische

Grafikserien, Malerbücher, Drucktechniken: Das Picasso-Museum
bezieht Charme und Energie aus jenen Bereichen der Kunst, die in
anderen Häusern in kleinen Räumen versteckt oder gleich ganz im Depot
abgelegt werden. Die Münsteraner beweisen, dass es nicht immer
plakative Großformate sein müssen, die das Publikum begeistern. Die
gedruckte Kunst taugt zu mehr als zum Pläsier der Spezialisten. Sie
fasziniert viele Museumsgänger - wenn mit ihr auch spannende
Geschichten erzählt werden.

Auf luftig-leichte Weise vermittelt uns dieses Museum damit eine
wichtige Kulturbotschaft: Es gibt keine Minderheitenthemen. Sie
werden nur zu genau solchen gemacht: durch Ignoranz, lieblose
Präsentation, Vorurteile. In Münster vertiefen sich Museumsgänger in
verzwickte grafische Techniken, lassen sich fesseln von feinsten
Nuancen der Zustandsdrucke. Kein Wunder. Das Haus erzählt große Kunst
im kleinen, aber feinen Rahmen. Mitten im Hype um Blockbuster und
Museumserweiterungen demonstriert das Picasso-Museum, wie aus dem
kleinen Segment ein Qualitätsmerkmal erwachsen kann. Darin liegt eine
besondere kuratorische Leistung - und eine kulturpolitische Lehre.

Originaltext: Neue Osnabrücker Zeitung
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6. September 2010, 22:00:00
#137420

Kunst und Kultur

Westfalen-Blatt / Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zum ...

Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zum Urteil im Fall Brunner:


Bielefeld (ots) - Eines steht nach dem Urteilsspruch im
Brunner-Prozess fest: Der Fall kann noch längst nicht zu den Akten
gelegt werden. Die Revision ist bereits angekündigt. Nichts anderes
war zu erwarten, nach diesem harten Richterspruch, der den von der
Staatsanwaltschaft erhobenen Mordvorwurf bestätigte. Moralisch ist
das Urteil durchaus zu verstehen. Wer einen am Boden liegenden
Menschen mit Fußtritten vor allem gegen den Kopf derart malträtiert,
wie es am 12. September 2009 auf dem Münchner S-Bahnhof Solln
geschehen ist, der nimmt billigend den Tod des Opfers in Kauf. Und
genau das hat der heute 19 Jahre junge Haupttäter Markus S. getan.
Dennoch ist es rechtlich nicht unstrittig, hieraus einen Mord
abzuleiten. Vor allem, da Dominik Brunner den ersten Schlag
ausgeteilt hatte. Zum Schutz der Kinder und damit aus Notwehr, so das
Argument der Staatsanwaltschaft, dem sich der Richter nun anschloss.
Dass die Anwälte der nun Verurteilten das anders sehen müssen, liegt
in der Natur der Sache - ist aber gleichwohl nicht wirklich von der
Hand zu weisen. Was wäre passiert, wenn Brunner abgewartet hätte und
nicht in die Offensive gegangen wäre? Eine Antwort darauf lässt sich
heute nicht mehr geben. Klar ist, der 50-jährige Geschäftsmann wollte
eine Gruppe Jugendlicher schützen, die zuvor von den beiden
Hauptangeklagten massiv bedroht worden war. Mit dieser Handlungsweise
löste Brunner nach Ansicht des Gerichts bei den Tätern Rachegelüste
aus. Das eigentliche Motiv für den Angriff auf den 50-Jährigen, der
seine Zivilcourage mit dem Leben bezahlte. Vor allem aufgrund der
Brutalität, mit der Markus S. auf den am Boden liegenden Brunner
eintrat, ist das Urteil wegen Mordes zu verstehen. Dabei ist absolut
unerheblich, ob der mutige Geschäftsmann einen Herzfehler hatte und
der Tod schließlich aufgrund des Kammerflimmerns eintrat. Ursächlich
waren es die Tritte gegen seinen Körper, die seinem Leben ein Ende
bereiteten. Für Richter Reinhold Baier steht das Verhalten des
19-Jährigen auf »sittlich niedrigster Stufe«. Wäre Markus S. nicht
als Jugendlicher, sondern als Erwachsener verurteilt worden, hätte
das Gericht eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängen müssen, legte
der Richter noch nach. Mit dem Urteil und diesen harten Worten in
seiner Begründung hat Baier deutliche Zeichen gesetzt. Ein Zeichen
gegen Gewalt ebenso wie ein Zeichen für Zivilcourage. Die nämlich ist
unbedingt notwendig, um aggressiven Schlägern Einhalt zu gebieten.
Zur Zivilcourage gehört aber auch eine gehörige Portion Mut. Mut, der
nach dem Tod Brunners vielen vermutlich eher fehlen dürfte. Auch das
harte Urteil gegen die Täter wird kaum dazu beitragen, diesen Mut zu
stärken. Aber - und das ist wichtig - es wird auch nicht mutloser
machen.

Originaltext: Westfalen-Blatt
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Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261



6. September 2010, 20:00:00
#137403

Kunst und Kultur

Westdeutsche Allgemeine Zeitung / WAZ: Der Fall Brunner - Hartes Urteil. ...

WAZ: Der Fall Brunner - Hartes Urteil. Kommentar von Frank Preuß


Essen (ots) - Der Fall Dominik Brunner, er hat das Land bewegt.
Für Wochen, Monate, an mehr ist im täglichen Nachrichtenfluss und in
einer Zeit permanenter Reizüberflutung ja kaum noch zu denken. Der
Geschäftsmann aus München, totgeprügelt von zwei jungen Männern,
wurde zur Symbolfigur für Zivilcourage.

Dass der Richter die beiden Täter nun mit den nahezu
härtestmöglichen Strafen ins Gefängnis schickte, musste man trotzdem
nicht zwangsläufig erwarten. Denn der Prozess ließ Zweifel aufkommen,
ob das plumpe Gut-Böse-Schema funktioniert. Immerhin hatte Brunner
zuerst zugeschlagen und war an einem Herzanfall gestorben. Auch
widersprachen sich Zeugen fortlaufend, über 50 wurden gehört. Nicht
leicht, sich in einem von so vielen Emotionen begleiteten Verfahren
klarzumachen, wer da über die verlässlicheren Erinnerungen verfügte.

Das Drama hat vor einem Jahr den üblichen Reflex in der Republik
ausgelöst: Was hätte ich in seiner Situation getan? Eine Frage, mit
der man sich schneller konfrontiert sieht, als einem lieb sein kann.
Und auf die vermutlich auch nach Solln und nach all den Sonntagsreden
viele keine andere Antwort gäben als vorher. Oder hat sich in unseren
Köpfen doch etwas getan? Es wäre ein Trost.

Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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6. September 2010, 19:35:22
#137392

Kunst und Kultur

Westdeutsche Allgemeine Zeitung / WAZ: Schlechte Noten für den Mann. ...

WAZ: Schlechte Noten für den Mann. Kommentar von Petra Koruhn


Essen (ots) - Haben wir nicht eben noch einen Mann gesehen, der
seine Tochter zur Schule gebracht hat? Oder einen Herrn mit
Wischmopp? Raritäten - so lautet das Ergebnis einer Studie, die
aufräumt mit dem Mythos vom modernen Mann.

Männer bügeln nicht gern, Männer waschen nicht gerne. Männer gehen
nicht gerne zur Elternsitzung. Männer pflegen nicht gerne die Omi und
putzen nicht gern das Klo. Aha. Frauen tun es übrigens auch nicht
unbedingt gern, aber sie tun es.

Man hört schon den Aufschrei der Väter aus der Elternzeit und der
Männer, die Job und Haushalt bestens im Griff haben. Sie ärgern sich
zu Recht. Denn viel mehr als früher sind Männer heute mit
Familienaufgaben betreut. Doch es sind immer noch wenige.

Warum aber ist es so, dass das starke Geschlecht auf den Schrubber
allergisch reagiert? Vieles liegt in der Kindererziehung, heißt es.
Es sei immer noch so, dass Mädchen viel mehr Aufgaben im Haushalt
erledigen sollen als Jungen.

Doch Frauen klagen laut Studie nicht nur über mangelnde Hilfe in
der Küche, sondern auch über die geringe Bereitschaft der Männer,
sich einfühlsam zu zeigen. Es ist ein schlechtes Zeugnis, das sie dem
Mann 2010 ausstellen.

Das Gute: Es ist für die Männer sehr einfach, ihre Noten zu
verbessern.

Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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6. September 2010, 19:33:22
#137387

Kunst und Kultur

Frankfurter Neue Presse / Frankfurter Neue Presse: Gerechte Strafe. Sven ...

Frankfurter Neue Presse: Gerechte Strafe. Sven Weidlich über das Urteil im Fall
Brunner.


Frankfurt am Main (ots) - Die Tat hat deshalb so viele Menschen
entsetzt, weil sich hier jemand für wehrlose Opfer aggressiver
Störenfriede eingesetzt hatte. Dominik Brunner hat nicht weggeschaut,
hat nicht geschwiegen, als die Täter Jugendliche bedrohten - und
wurde dadurch selbst zum Opfer. Zivilcourage ist eine wichtige
Tugend. Sie kann im besten Fall verhindern, dass eine bedrohliche
Situation eskaliert. Aber der Fall Brunner ist leider der Beweis
dafür, dass Zivilcourage unter Umständen tödlich sein kann. Brunners
schrecklicher Tod dürfte so manchen entmutigen, in der S-Bahn
aufzustehen und einem Opfer zu Hilfe zu eilen. Und wer wollte das
kritisieren?

Originaltext: Frankfurter Neue Presse
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Frankfurter Neue Presse
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Peter Schmitt
Telefon: 069-7501 4407



6. September 2010, 18:29:12
#137376

Kunst und Kultur

Ostsee-Zeitung / Ostsee-Zeitung: Kriminalität/Prozesse/Brunner

Ostsee-Zeitung: Kriminalität/Prozesse/Brunner


Rostock (ots) - Wer das harte Urteil als Signal versteht, liegt
falsch. Die Aufgabe des Gerichts war, zu klären, was geschah, es zu
bewerten und ein Urteil zu fällen. Nicht weniger, nicht mehr. Es hat
Markus S. aus nachvollziehbaren Gründen wegen Mordes verurteilt. Es
hat auch den Mittäter Sebastian L. nicht geschont. Die beiden
wussten, was sie taten. Wir aber brauchen kein Signal vom Gericht.
Für Lehren, die wir aus dem Fall ziehen könnten, war die Verhandlung
wichtiger als das Urteil: Hinter dem Denkmal der Zivilcourage kam der
Mensch Dominik Brunner zum Vorschein - und Menschen sind bessere
Vorbilder als Denkmäler.

Originaltext: Ostsee-Zeitung
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Ostsee-Zeitung
Jan-Peter Schröder
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6. September 2010, 18:00:02
#137366

Kunst und Kultur

Rhein-Neckar-Zeitung / Rhein-Neckar-Zeitung: Rhein-Neckar-Zeitung, ...

Rhein-Neckar-Zeitung: Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg, zu: Brunner


Heidelberg (ots) - Ein hartes Urteil, ein notwendiges Urteil.
Richter Baier hat die Mordanklage gegen den Haupttäter im Fall
Brunner nicht umbiegen lassen in einen absurden
Tatbeteiligungsvorwurf gegen das Opfer, das seine Zivilcourage mit
dem Leben bezahlte. Die Revision dürfte daran kaum etwas ändern -
Herzfehler hin, Erstschlag in Notwehr her. Erbarmungslose
Grausamkeiten gegen Leben und Unversehrtheit anderer sind heute
auffälliger Teil der Jugendkriminalität, auch wenn sie nicht immer
zum Tode führen. Dagegen setzt dieses Urteil Zeichen. Denn inzwischen
ist ein Stück des gesellschaftlichen Konsenses zerbrochen: Zwar hat
der Schutz des Lebens überall - von der Rechtspflege bis zum
Gesundheitswesen - absoluten Rang. Das ist bei vielen Jugendlichen
auf dem Weg über Erziehung und Schule aber nicht angekommen - oder
über falsche Medienvorbilder, mit denen brutal Kasse gemacht wird,
pervertiert worden. Das Strafrecht mit seiner möglichen Strenge ist
die letzte, leider der Tat nachgeschaltete Brandmauer, um diesen
fatalen Kulturbruch zu ahnden, um den es sich hier handelt.

Originaltext: Rhein-Neckar-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/66730
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Rhein-Neckar-Zeitung
Manfred Fritz
Telefon: +49 (06221) 519-0



6. September 2010, 17:03:30
#137330

Kunst und Kultur

KICK THAT HABIT !

Thomas Zipp, Stefan Pfeiffer, Carola Ernst, Matthias Hesselbacher, Katrin Rother, Ludwig Kreutzer

Eröffnung: 11.09.2010, 20.00 - 23.00 Uhr // Ausstellungsende: 08.10.2010

Hellweiße Räume. Alles ist in ein überirdisches Weiß getaucht, das die Räume der Galerie überzieht und gleißend durchstrahlt. Kurz ist man versucht, an Stanley Kubricks 2001 zu denken, denn das lichte Weiß, das vom styroporausgelegten Boden und den ohnehin weißen Wänden scheint, ist wahrlich nicht von dieser Welt.
Doch mit jedem Schritt kommen nach und nach die Kunstwerke in den Blick und machen klar, dass es sich hier um ein ganz irdisches Überirdischsein handeln muss. Wobei in der Art, wie sich Boden, Wände und Werke darbieten, schwer zu sagen ist, was alles mit zur Ausstellung gehört, was Teil des Gesamtkunstwerks ist, das Carola Ernst, Matthias Hesselbacher, Ludwig Kreutzer, Stefan Pfeiffer, Katrin Rother und Thomas Zipp eingerichtet haben, und was nicht.

Selbst ordinäre Steckdosen scheinen entrückt und ihrem alltäglich pflichterfüllenden Dasein enthoben. Denn das Weiß macht die Dinge, die Bilder, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien leicht. Es lässt sie beinahe auf den Wänden schwerelos umhertreiben.

Und überhaupt KICK THAT HABIT! ist alles andere als eine herkömmliche Ausstellung. Weder ist es eine Zusammenstellung von einem Professor und seinen Studenten (was faktisch natürlich trotzdem der Fall ist), noch die xte Gruppenausstellung mit wechselndem, nein, austauschbarem Personal. Keineswegs. Sowas will ja niemand sehen und austauschbar ist hier niemand.

Vielmehr wird die Ausstellung zu einer umfassenden Raumarbeit, die sich über zwei Stockwerke erstreckt und in sorgsamer Auswahl die unterschiedlichsten Arbeiten miteinander verbindet, sie mit einem ausladenden Rhythmus, der sich über Böden und Wände erstreckt und selbst die Beleuchtung mit einschließt, erfasst und zu einem großen, luftigen Ganzen vereint. Werk steht gleichberechtigt gegen Werk und spricht für sich und gleichsam sind alle Werke Teil eines immensen ornamentalen Sogs, der durch die Galerie geht.

Gegenüber der schwelgend gestimmten und schwelgend stimmenden Erscheinung der Ausstellung kündet der Titel derselben von den Abgründen ungleich härter Tatsachen.

KICK THAT HABIT! ist eine Verszeile des amerikanischen Dichters Brion Gysin und meint zunächst das ?clean-Werden" eines Drogensüchtigen, das Runterkommen, das Kopf- und Körperfreikriegen - mit allen unmenschlich kreatürlichen Abwegen.

Allerdings schwingt darin ebenso der Bruch mit allen eingefahrenen Gewohnheiten und Normen mit. Ein fiebriges Aufbegehr, das, ohne sich halsstarrig darauf festzulegen, auch für diese Ausstellung wichtig ist.

Denn gemeinsam mit dem Schriftsteller William S. Burroughs - ein großer Freund verdrehter nackter Tatsachen selbst beim Mittagessen - hat Gysin Ende der 1950er in einem schäbigen Pariser Hotel, irgendwann in irgendeiner Nacht die artistischen Methode des cut-ups erfunden. Besser sollte man sagen, mit Papier und Schere erschnitten.

Die cut-up-Technik hat ihre Wurzeln ursprünglich in der surrealistischen Écriture automatique, im unwillkürlichen Zusammenstellen nicht zusammenpassender Dinge, Erinnerungen, Träume, kruder Begierden oder hehrer Wünsche, exquisiten Kadavern, um die ungeahnten imaginären Kräfte des Unbewussten anzuzapfen. Gleich wie kraus das klingt, es sollte dennoch so schön sein wie die Begegnung einer Nähmaschine mit einem Regenschirm auf einem Seziertisch.

Bei Burroughs/Gysin wird die cut-up-Technik nun zu einer Methode, die gegebene Wirklichkeit aufzuschneiden (in damit wieder freigewordene Bild-, Text-, Gedanken- oder Gefühlsbruchstücke). Es ist eine Methode, um sich der als unerträglich empfundenen Normierung durch die Gesellschaft mit ihren Konventionen zu entziehen. Burroughs dazu: 'Der magische Firlefanz alter Zauberer und die Mittel zur paralysierenden Macht moderner Massenmedien werden parallel geschaltet, alte und neue Schamanen bedienen sich im Prinzip ähnlicher Zaubertricks, und unsere sogenannte Zivilisation erscheint mehr und mehr wie eine in Stahl und Chrom verkleidete archaische Stammesform.'

Um diese faulen Zauber auszutreiben, nutzen Burroughs/Gysin das cut-up, um Gewohntes zu Ungewohntem zu machen, um bislang hingenommene Allerweltswahrheiten zu verweigern und durch Zerlegung und anschließender Wiedermontage, durch Verdrehung, Veränderung oder Verschiebung von (Text-, Bild- & Realitäts-)Realität alles Unhinterfragte, mit dem man es Tag um Tag zu tun hat, zu entformeln, zu ?entnormen", zu dekodieren und wieder bedenkbar und - mit Blick auf die Kunst und die Ausstellung KICK THAT HABIT! - wieder anschaubar zu machen; sogar das Schreckliche.

Wie die als gesetzt geltende Alltagssprache von Burroughs und Gysin als hohl und manipulatorisch entlarvt wird, so schicken sich Ernst, Hesselbacher, Kreutzer, Pfeiffer, Rother und Zipp an, das bestehende künstlerische Vokabular auf seine Tauglichkeit in der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit hin zu prüfen, es erst einmal von aller Bedeutung zu entkleiden, um dann zu sehen, welch" neuen Worte und Formulierungen sich finden lassen.

Dass bei solch einem rauen Unterfangen keine zertrümmerte, wackelig zusammenmontierte, disparate Ausstellung herauskommen muss, führt KICK THAT HABIT! eindrücklich vor, denn die vorgenommene cut-up-Montage lässt allen eigensinnigen Stimmen, die darin vertreten sind, ihren Raum und doch spricht das Ganze wie mit einer entschwebenden Stimme.


Um doch noch einmal auf das Verhältnis von Professor und Studenten zu kommen, lässt sich das unter KICK THAT HABIT! Postulierte auch im Anspruch an eine erfolgreiche Lehre an der Kunsthochschule wiederfinden und damit auch in der Auseinandersetzung mit Thomas Zipp. Seine Studenten nehmen gewissermaßen die Lehrinhalte auseinander, die somit zu etwas Eigenem werden. Man hat disparates Material, montiert es neu zusammen und schaut, was zwischen den Einzelteilen geschieht. Allesamt emanzipieren sie sich und beginnen, ihre ganz eigene Sprache zu finden und, wie man sieht, zu s

Jochen Börgmann
Galerie Börgmann
info@galerie-boergmann.com
Galerie Börgmann
6. September 2010, 15:51:18  von   PRGateway
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